Zwei Schülerinnen interviewen Yvonne Kirschbaum

Dillenburg. An einem Samstag im März besuchten wir das Dillenburger Landgestüt in Hessen. Dort befragten wir Yvonne Kirschbaum (35), die eine verantwortungsvolle Position trägt. Als Pferdewirtschaftsmeisterin, Reiterin und Ausbilderin der jungen Pferde und Menschen, muss sie sich jeden Tag neu beweisen.

Im Jahr 2013 bewarb sie sich auf ein Stellenangebot als Ausbilderin für die Reit-und Fahrschule und Pferdewirtschaftsmeisterin, unter anderem für die Ausbildung der Lehrlinge und der Allgemeinbildung. Sie mag besonderes die Zusammenarbeit mit Mensch und Tier, da sie wegen ihrer Ausbildung zur Pferdewirtin im Schwerpunkt Reiten damit Erfahrung gemacht hat. Sie arbeitet sieben Tage die Woche von sieben Uhr bis zwölf Uhr und von ein Uhr bis vier Uhr. „Dieser Job macht mir sehr viel Spaß, außer wenn das Wetter nicht mitspielt und es sehr kalt ist! “, sagt Yvonne Kirschbaum. Ihr Tagesablauf beginnt früh am Morgen mit der Stallarbeit, welche schnell gemacht ist und sie sich danach voll und ganz der Ausbildung der Lehrlinge in allen Bereichen widmen kann. Am Ende des Tages, werden die Pferde erneut verpflegt. Außerdem kauft und verkauft sie einige Pferde. Sie bildet Pferde in ihren Reitstunden mit ihren Reitschülern bis zur hohen Klasse aus.

Das 24 Hektar große Landgestüt wurde 1869 gegründet und besteht aus fünf Pferdeställen, zwei Reithallen, einem Paradeplatz, einer Besamungsstation, einer Orangerie, einer Führanlage, einer Schmiede, einer Scheune und einem Prinzenhaus. Das Prinzenhaus ist im spätbarocken Baustil 1772 errichtet worden und wurde 1803 an den Prinzen Wilhelm V. von Oranien verkauft und erhielt so im Volksmund den Namen „Prinzenhaus“. Immer wenn der jeweilige oranische oder später nassauische Landesherr nach Dillenburg kam, nahm er sein Quartier in diesem Haus ein. In dem heutigen Verwaltungsgebäude des Landgestüts hat auch der Landestallmeister seine Wohnung. Darüber hinaus können Heiratswillige in diesem gesichtsträchtigen Gebäude für die standesamtliche Trauung nutzen. Außerdem sorgen 30 Angestellte für das Wohl der Pferde und der Außendienst ist mit 20 Angestellten besetzt. Im Moment befinden sich ungefähr 55 Pferde auf dem Landgestüt, um die sich jeder kümmert. Obwohl das Gestüt über mehrere Möglichkeiten verfügt, stellt es Stroh und Heu nicht selber her, sondern kauft bei anderen Betrieben ein. Das Gestüt bietet Lehrgänge in allen Bereichen an, sowie die komplette Trainerausbildung, Reitabzeichen, Reitpass und Sitz- und Balanceschulungen. Der Hessische Verband züchtet hier Hannoveraner und hat 10 Deckhengste. Da das Landgestüt an das Land Hessen angebunden ist, finanziert es sich über Landesmittel. Außerdem werden Veranstaltungen, wie zum Beispiel die Hengstparade oder Messen gesponsert. Zusätzlich wird der Förderverein gesponsert. Viele Konzerte finden in dem Reithaus statt, das sehr schön geschmückt ist. Die Lehrlinge haben vom Landgestüt eine Wohnung zur Verfügung gestellt bekommen, diese befinden sich in dem alten Internat. Über dem Stall „Drei“ befinden sich Wohnungen für die Lehrgangsteilnehmer.

Das Landgestüt ist sehr bekannt für die Trainerausbildung und jeder Bereich wird von einem anderen Trainer geleitet. Die alten Pferde werden in gute Hände verkauft oder verschenkt, wo sie dann in einen Offenstall oder auf eine Wiese gehen. Auch wenn der Abschied manchmal schwer fällt. Manche Pferde werden jedoch bis zum Ende auf dem Gestüt behalten. Das Gestüt vermarktet die Spermien seiner Deckhengste über den Natursprung oder durch die künstliche Befruchtung. Die Spermien werden mit Hilfe eines Phantoms beim Hengst abgesamt, damit allen Züchtern weltweit der Samen zur Verfügung gestellt werden kann.